Goings-on

September 2022   ..............................  

.ausgestrahlt:

Auch ein Aktivieren einer „Einsatzreserve“ aus AKW wäre nur unter Missachtung grundlegender Sicherheitsvorschriften möglich / Versorgungssicherheit ist ohne AKW zu gewährleisten / FDP muss unqualifiziertes Rufen nach längeren Laufzeiten beenden

Zum Stresstest und der aktuellen Ankündigung von Wirtschaftsminister Habeck, die AKW Neckarwestheim-2 und Isar-2 bis Ende April 2023 als „Einsatzreserve“ in Bereitschaft halten zu wollen, erklärt Armin Simon von der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt:

„Auch das Anfahren von in Betriebsbereitschaft gehaltenen AKW nach dem 31.12.2022 ist verfassungswidrig und gefährlich. Die geplante „Einsatzreserve“ aus AKW ignoriert den tatsächlichen Zustand der Reaktoren und blendet akute Sicherheitsprobleme der Meiler aus. Ein Betrieb der Reaktoren wäre nur unter Aushebelung und Missachtung grundlegender Sicherheitsanforderungen möglich. Diese Sicherheitsanforderungen hat unter anderem das Bundesverfassungsgericht definiert. Es liegt nicht in der Kompetenz des Bundeswirtschaftsministers oder der Regierung, diese Regeln zu ändern.

Fakt ist, dass keines der AKW die gesetzlichen Sicherheitsanforderungen über den 31.12.2022 hinaus erfüllt. Dies hat die Bundesatomaufsicht bereits eindeutig festgestellt. Ein Betrieb der AKW nach diesem Datum ist daher unabhängig vom Ergebnis des Stresstests – und auch unabhängig davon, welche Schlüsse man daraus ziehen mag – keine Option. Ein Auto darf nach Ablauf des TÜV-Stichtags auch nicht weiter betrieben werden.

Die Regierung darf zwar einen Tankrabatt für Autofahrer*innen beschließen, selbst wenn dieser in erster Linie den Mineralölkonzernen die Taschen füllt. Die Regierung darf aber keinen Sicherheitsrabatt für AKW beschließen, weil dieser Leben und Gesundheit der Bevölkerung unzulässig gefährdet.

Wenn die Regierung die Versorgungssicherheit unter bestimmten extremen metereologischen und anderen Bedingungen für gefährdet hält, darf sie deswegen nicht die verfassungsrechtlichen Vorgaben für den Betrieb von AKW in Deutschland ignorieren. Stattdessen kann und muss sie einer solchen Situation mit anderen, ungefährlichen und legalen Maßnahmen begegnen.

Statt weiter eine rückwärtsgewandte, sinnlose Phantom-Debatte über alternde Atomkraftwerke zu führen, sollten sich alle Parteien, insbesondere auch FDP, CDU und CSU, nun um zielführende Maßnahmen zur Bewältigung der Gas- und Energiekrise kümmern.“

Gemeinsames Statement von Umweltverbänden, Anti-Atom-Initiativen und zivilgesellschaftlichen Akteure zum Stresstest:
ausgestrahlt.de/statement-stresstest/

Rückfragen an Armin Simon, Tel. +49 163 8832446, .ausgestrahlt

 

19.03.2022   ...............................................  

Verlängerung der belgischen AKW für weitere 10 Jahre                                       

Die belgische Regierung will die Laufzeiten der heimischen Atomkraftwerke in Tihange und Doel um zehn Jahre verlängern. Das hat der belgische Ministerpräsident Alexander de Croo bekannt gegeben. Dafür sollen nun alle notwendigen Schritte unternommen werden. ... (Heise online)

TDRM-Kommentar: 

Belgien ist nicht auf den Weiterbetrieb der AKW angewiesen. Die Energieversorgung ist ab 2025 durch erneuerbare Energien sowie Verbundstromnetze gesichert. Ein Blackout ist ausgeschlossen. So auch die CREG, Belgiens Energie Agentur. Notfalls gibt es vorhandene Gaskraftwerke, die binnen 15 Minuten hochgefahren werden können. Auch neue Gaskraftwerke werden nicht benötigt.

Großverbraucher wie die Chemieindustrie (in Antwerpen große Petrochemie), Kühllager in Antwerpen sind in der Lage, kurzfristig den Stromverbrauch zu drosseln. Zudem hat der AKW-Betreiber ENGIE bereits im Dezember 2021 schriftlich der belgischen Regierung mitgeteilt, dass von seiner Seite keine Laufzeitverlängerung möglich ist.

Die Bedingungen zum Weiterbetrieb ab 2025 sind völlig andere als zu Beginn der Genehmigungen von 1975:

– Bürgerbeteiligung in 100 km Umkreis um die AKW Standorte (grenzüberschreitend),
– Umweltverträglichkeitsprüfung,
– Vorhandene Sicherheitsstruktur nicht zeitgemäss,
– keine Sicherung bei Flugzeugunfällen, Anschlägen usw.,
– Doel liegt nur 12 km Luftlinie vom Rathaus Antwerpen entfernt, weiterhin ist die Petrochemie in direkter Umgebung in den letzten 35 Jahren enorm gewachsen, auch hier sind notwendige Sicherheitsmassnahmen nicht möglich oder ergänzbar,
– Tihange 1 hat nur eine Schutzhülle um den Reaktor,
– die Nass- und Trockenlager an den Standorten sind ungeschützt.

ENGIE hat die Meiler im Wissen, dass sie 2025 abgestellt werden nicht mehr gepflegt, fährt sie bis zur 94% Auslastung hoch, um möglichst viel Gewinn zu erwirtschaften vor Stilllegung. Das verursacht enorme Schäden und Investitionen, die nicht mehr zu berechnen sind (normale Auslastung wäre max 75 %).

Facit: eine Verlängerung der Laufzeiten über 2025 hinaus ist mit den veralteten AKW nicht zu machen.

(Mike Rabald)

Tagesschau
SAT1 (Interview mit Robert Borsch-Laaks)

 

March 2022   ...............................................  
Ukraine: Krieg gefährdet AKWs ......

Links:
https://www.ndr.de/nachrichten/info/Russland-Ukraine-Krieg-Feuer-in-Atomkraftwerk-geloescht,russlandkrise100.html
https://de.euronews.com/2022/03/04/krieg-in-der-ukraine-akw-saporischschja-steht-nach-bombenangriffen-in-flammen
https://www.sortirdunucleaire.org/Guerre-en-Ukraine-nos-inquietudes-face-aux?origine_sujet=LI202202&fbclid=IwAR3uWRM7DHDqN0ge0AbWB1pRREZEy5yrHROrVHgQHRzCLo0meq09IhxRkss
https://taz.de/Ukrainische-AKWs-im-Kriegsgebiet/!5835654/
https://www.rfi.fr/fr/europe/20220226-ukraine-interrogations-autour-de-la-question-vitale-de-la-
https://www.iaea.org/newscenter/pressreleases/update-3-iaea-director-general-statement-on-

 

Februar 2022   ...........................................  
Krieg in der Ukraine: Tschernobyl holt uns ein – Messstationen melden erhöhte Radioaktivität.

Wir vermuten aufgewirbelten Staub und Erde aufgrund des Krieges in der Ukraine. Aber dies lässt sich ad hoc nicht mit Gewissheit beantworten und schon gar nicht überprüfen. Auf die einfache Frage, ob dies für uns gefährlich ist, gibt es immer ganz viele ganz einfache Antworten – welche aber Alle falsch sind. Hier unsere lange Antwort und Meinung dazu:

Elektrizitätsnetze sind instabil, sie müssen ständig geregelt werden, es muss zu jeder Sekunde so viel Leistung hinein fließen wie entnommen wird.

Seit Kriegsbeginn soll das ukrainische Elektrizitätsnetz isoliert werden, also ohne externe Stabilisation alleine dastehen, bislang war es in den Stromnetzverbund mit Belarus und Rusland eingebunden. Es gab die Initiative, es in das EU-Stromnetz einzubinden, was ggf. nun forciert wird. Elektrizitätsnetze funktionieren in ihrer Gesamtheit nur gemeinsam im Verbund mit genügend Kraftwerken. Sobald die abgenommene Leistung zu hoch für die angeschalteten Kraftwerke wird, fällt das gesamte Netz aus oder es müssen Teile der Verbraucher, d.h. einzelne Städte oder Landesteile abgeschaltet werden. Dezentrale Versorgung, d.h. mit Wind- und Solaranlagen und dezentralen, lokal zerfallenden selbst regelnden Netzen, gibt es weltweit kaum. Nur diese sind hoch resilient.

D.h. unsere extrem wichtige Elektrizitätsversorgung, ohne die sich Heute fast Nichts mehr aufrecht erhalten lässt, ist für Krieg, Katastrophen, Embargos, Anschläge usw. extrem anfällig, weil sie extrem zentralistisch ist, von der ständigen Zulieferung fossiler oder nuklearer Brennstoffen abhängt sowie auf historisch überholter Technik, deren Grundzüge Ende des vorletzten bis Anfang des letzten Jahrhunderts festgelegt wurden, beruht.
https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/stromausfall-100.html
https://publikationen.bibliothek.kit.edu/1000103291

Seit ca. 10 Jahren ist es technisch möglich, eine dezentrale zu 100% auf Erneuerbare Energie basierende Elektrizitätsversorgung aufzubauen. Diese ist dann resilient. Die Schröder/Fischer- und später die Merkel-Regierungen verhinderten u.a. über das Umdrehen des EEG von einem Förder- zu einem Bremsgesetz, Bau von Gaspipelines, Förderung und Import von Kohle usw. die zügige Transformation unserer Energieversorgung hin zu 100% EE.

Damit wird nicht nur mutwillig Umwelt, Klima, Gesundheit, weltweite Lebensgrundlagen und unser Geldbeutel belastet, sondern auch Fluchtgründe geschaffen und wir bleiben politisch erpressbar, was sich jetzt im Krieg Putins-Russlands gegen das Ukrainische Volk als fatal erweist. Und dies Alles nur zur Aufrechterhaltung fossiler und nuklearer Geschäftsmodelle zu Gunsten partikulärer Profitinteressen.

Auch wurden aus Profitinteressen Wirtschaftsbeziehungen zu totalitären Regierungen und deren Staaten massiv weiter ausgebaut, statt ein Mindestmaß an Umwelt-, Sozial-, Demokratie- und Menschenrechts-Standards für jeglichen Austausch mit der EU zu fordern.

Gebäudeerwärmung verschlingt ca. 40% des deutschen Energieverbrauches. Dabei ist es inzwischen technisch möglich, normale Gebäude durch Isolation, Wärmerückgewinnung, Solaranlagen, Speicher und Wärmepumpen weitestgehend energieautark auszustatten (Produktionsanlagen darin ausgenommen) und dies zu wirtschaftlichen Preisen. Nebenher steigt der Komfort. Auch alle anderem Sektoren wie Verkehr durch überwiegend schienengebunden Verkehr u.a. in Kombination mit Fuß- und Pedelec-Verkehr, Landwirtschaft,Gewerbe und Industrie hätten schon seit ca. 10 Jahren auf 100% EE umgestellt sein können.

Ebenfalls wurde aus Profitinteressen unterlassen, uns aus weltweiten wirtschaftlichen Abhängigkeiten ein Stück weit in der EU zu lösen. Dies wäre u.a. über eine lokale bis EU-weite Kreislaufwirtschaft, dem Erhalt lokaler Produktion statt wie z.B. der mutwilligen weitgehenden Zerstörung der deutschen Solarwirtschaft, ausgerechnet auch noch mit alleine ca. 80.000 Arbeitsplätzen in den neuen Bundesländern, möglich gewesen. Dies bekommen wir nun unter der Corona-Pandemie und der Chipkrise zu spüren.

Wir befürchten, dass die russische Armee einige wenige der ukrainischen Kraftwerke abschalten wird, um einen fast gesamten Stromausfall in der Ukraine herbeizuführen, um damit die Ukraine weitestgehend handlungsunfähig zu machen und zur bedingungslosen Kapitulation zu zwingen.

Solange Atomanlagen nicht beschossen werden und die Anlagen nicht defekt sind, wird vermutlich kein GAU bzw. radioaktive und nukleare Kontamination ausgelöst. Notfalls schalten sich AKWs aufgrund ihrer hoffentlich funktionsfähigen Sicherheitseinrichtungen ab.

AKWs benötigen nach einer Abschaltung und ganz besonders nach einer Schnellabschaltung für mindestens zwei Wochen eine Nachkühlleistung von anfänglich ca. 10% ihrer Nennleistung, exponentiell fallend, bis ca 4..6 Wochen lang. Dies wird von Kühlanlagen sichergestellt, die über eine Stromzufuhr von Außen oder bzw. den installierten Dieselaggregaten aufrecht erhalten wird. Fallen diese z.B. kriegsbedingt aus, dann kann es zu einem Durchschmelzen des Kerns kommen, falls nicht zumindest z.B. eine Not-Schwerkraftkühlung vorhanden und aufrechterhalten werden kann. Not- Schwerkraftkühlungen besitzen nur einige AKWs, nicht Alle.

Bei den vier Fukushima-Daiishi AKWs war genau dies das Problem: Nach der ordnungsgemäßen Schnellabschaltung wurden später die Dieselaggregate und auch die Tanks durch die Tsunami-Welle zerstört. Die Akkus hielten noch ca. zwei Stunden und danach war die Schwerkraftkühlung aufgrund des Stromausfalls über ein deswegen geschlossenes elektrisches Ventil gesperrt. Die Betriebsmannschaften waren nicht auf so einen Notfall vorbereitet und wussten nicht, dass sie ein Bypass-Ventil per Hand im Reaktorgebäude öffnen mussten, um die Schwerkraftkühlung wieder in Gang zu setzten. Damit wäre eine Kühlung für weitere ca. 24 Stunden möglich gewesen. Danach hätte Wasser in den Schwerkraftkühlkreislauf eingefüllt werden müssen. Damit wäre voraussichtlich Alles gut gelaufen.

Wir haben es ausgerechnet: Bei einer AKW-Nennleistung von 1GW und damit einer Startkühlleistung von 100MW reichen zwei tragbare Feuerwehrpumpen, um die Kühlung sicherzustellen. D.h. zur Not könnten immer noch zwei tragbare Feuerwehrpumpen mit Treibstoff und Schläuchen z.B. per Helikopter eingeflogen werden, um die Nachkühlung aufrecht zu erhalten. Aber dies ist unseres Wissen bei keinem AKW möglich, weil keine Anschlüsse für Feuerwehrschläuche am Kühlkreislauf und kein Kühlteich an AKWs vorhanden sind

AKW-Betriebsmannschaften sind offensichtlich schlecht für extreme Notfälle ausgebildet und AKW-Manager sind offensichtlich borniert. Sie glauben, dass solche Katastrophen nicht eintreten werden - oder sie wissen es und denken nur an ihren Profit. Dabei gibt es vier sehr einfache Mittel: Ständiges exzellentes Training für Notfälle, Anschlüsse für Feuerwehrschläuche am AKW-Kühlkreislauf und eine gekühlte keramische Auffangwanne unter dem Druckbehälter, um einen durchschmelzenden Brennstoff-Klumpen zerfließen und damit unterkritisch werden zu lassen – und das beste Mittel: sofort alle AKWs abschalten. Wir befürchten das Schlimmste für ukrainische AKWs in diesem Krieg. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines GAU unter Krieg ist, kann niemand voraussagen

Peter Kämmerling
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